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WortSchatz EnsembleWortSchatz, die Erzähl- und Kulturbühne München e.V. ist ein Zusammenschluss am Erzählen Interessierter. Wir wollen der uralten Kunst des freien Erzählens in vielen, auch neuen Gewändern einen festen Platz in der Münchner Kulturlandschaft verschaffen. Zu Unrecht wird diese Kunst oft als Lesung (oder auswendiges Aufsagen von Märchen) missverstanden. Im Unterschied zum Vorlesen erlaubt das freie Erzählen einen viel direkteren Kontakt zum Publikum, ein spontaneres Eingehen auf die Zuhörer und die jeweilige Erzählsituation, sowie einen kreativen Umgang mit den Geschichten. Dies verlangt jedoch vom Erzähler eine genaue Kenntnis und ein tiefes Verständnis des jeweiligen Stoffes.

Unsere Erzählerinnen und Erzähler verfügen in der Regel über eine langjährige Erfahrung in öffentlichen Auftritten. Sie gestalten auch gemeinsam mit Schauspielern, Musikern und Tänzern ihr Programm oder vereinen diese Künste in einer Person. Dieses und das persönliche Temperament prägen den individuellen Stil unserer Erzähler.

Als Gegenentwurf zur Überfütterung durch Medien und Mega-Events bietet das Erzählen eine ganz einfache, direkte und persönliche Form der Unterhaltungs-Kunst. Erzähler und Zuhörer schaffen gemeinsam  einen Raum, in dem Märchen und Geschichten wieder lebendig werden.

Erzähler aber unterhalten nicht nur:

Karin Wedra, WortSchatz-ErzählerinGut erzählte Märchen und Geschichten wirken nachhaltiger auf den Menschen als die oberflächlichen Effekte der Unterhaltungs-Industrie. Sie fördern die Phantasie und ein Gefühl der Geborgenheit und des Eingebunden-Seins, nähren also die Seele und stärken so die Persönlichkeit. Sie vermitteln auf eine unaufdringliche Weise menschliche Werte und alte zeitlose Weisheiten. Kinder fühlen sich in ihren Ängsten und Phantasien verstanden, Erwachsene wiederum fühlen sich zurückversetzt in die Kindheit, können abschalten, zu sich selbst kommen und einfach entspannen.

Bruno Bettelheim hat in den 80-ern in seinen Schriften und Vorträgen immer wieder darauf hingewiesen, wie notwendig Märchen für die emotionale Entwicklung und Förderung der Kreativität von Kindern und Jugendlichen sind. Deshalb ist es uns ebenso wichtig, diese alte Tradition des Erzählens in die Kindergärten und Schulen zu tragen. (Es gibt in anderen Städten – z.B. Berlin, Hamburg, Aachen – bereits sehr gute Erfahrungen, wie durch das Erzählen von Märchen und Geschichten in Kindergärten und Schulen mit hohem Migrantenanteil das Selbstbewusstsein und Sozialverhalten der Kinder verbessert werden konnte, was sich wiederum positiv auf ihre schulischen Leistungen auswirkte).

Wir verstehen uns auch als Schatzgräber, die alte und neue Geschichten ins Hier und Heute bringen und wieder lebendig werden lassen. So können die Fundamente unserer und  anderer Kulturen in ihrer Tradition erinnert, neubelebt und in einem lebendigen Austausch gebracht werden. Dies fördert nicht nur den Dialog der Generationen, sondern auch die Weltoffenheit und Toleranz.

Außerdem wollen wir auch an die Schönheit unserer Sprache erinnern, mit ihrem differenzierten und ausdruckstarken Wortschatz. Kinder, denen Geschichten erzählt oder vorgelesen werden, haben einen weit größeren Wortschatz. Auch erwachsene Zuhörer erweitern (fast unmerklich) ihren Wortschatz durch Geschichten. Ein differenzierter Wortschatz fördert wiederum ein differenziertes Denken. Wörter bilden die Strukturen des Denkens, Wörter werden zu Geschichten, Geschichten sind der Schatz jeder Kultur. Diesen Schatz wollen wir hegen und pflegen und weitergeben.